Es gibt Leute, die haben ihre Probleme mit dem digitalen Zeitalter. Ganz anders TIM RENNER, der sich wie “ein Kind im Spielzeugladen” fühlt. RENNER versucht das Maximum aus der Digitalisierung herauszuholen: Er führt seine eigene Plattenfirma, betreibt einen Blog, schreibt Bücher und hat seine eigene Radiosendung. Im Interview mit #a2n_blog zeichnet der Vorstandsvorsitzende der all2gethernow (a2n) nach, inwiefern sich das Musikgeschäft seit Anbruch des digitalen Zeitalters verändert hat, verdeutlicht, wieso es wichtig ist, miteinander zu sprechen und erklärt, warum die a2n der perfekte Ort ist, um sein Wissen über das digitale Musikbusiness zu erweitern.

TIM, was ist die a2n?

TIM: Die a2n ist ein Treffpunkt für die Musikbranche, an dem über die Zukunft der Musikkultur nachgedacht wird. Dabei achten wir darauf, dass wir alle Parteien zusammenbringen, die im Musikgeschäft involviert sind, vom Musiker bis zum Branchenvertreter, und sie auf Augenhöhe mit einander diskutieren zu lassen.

Warum ist es wichtig, dass über die Zukunft nachgedacht wird?

Durch die Digitalisierung hat sich das Musikgeschäft stark verändert. Daher ist es dringend notwendig, dass wir uns mit den neuen Herausforderungen auseinandersetzen und den Musikmarkt aktiv mitgestalten. Das versuchen wir bei der a2n jedes mal aufs Neue. So betrachtet ist die a2n ein Kind des digitalen Zeitalters: Wir gingen an den Start, als die Popkomm 2009 zum ersten mal abgesagt wurde aus Protest gegen „Filesharer“.

Welche Auswirkungen hatte die digitale Revolution auf das Musikgeschäft?

Die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben. Früher waren es die Labels, die den Zugang zum Markt kontrollierten. Sie machten die Deals, bestimmten über den Erfolg. Heute sieht die Situation ganz anders aus, Künstler haben eine viel machtvolle Position. Nicht nur erfolgreiche Acts wie DIE ÄRTZE oder DIE TOTEN HOSEN wickeln ihre Geschäfte ohne ihre Plattenfirmen ab, auch kleine Bands können jetzt eigenständig ihre Musik aufnehmen und an den Markt bringen. Dadurch haben die Majors an Bedeutung verloren. Daran muss angeknüpft werden.

Was kann die Branche DIY-Künstlern noch bieten?

Expertise. Klar kann ein Künstler vieles allein machen. Sich um alles allein zu kümmern, ist aber äußerst schwierig. Er ist auf Dienstleistungen angewiesen. An dieser Stelle muss er abgeholt werden. Wir können unser Wissen einsetzen, um ihm unter die Arme zu greifen. Eine Reihe kleinere Unternehmen wie MINISTRY OF SOUND operieren bereits auf diese Weise, selbst UNIVERSAL hat das schon so gemacht.  Das Label übernahm für DIE ÄRZTE den Vertrieb, unterstützte die Band also mit ihrer Expertise und ihrer Logistik. Die alte Musikbranche und die Künstler wieder zusammenzuführen, darin besteht eine Kernaufgabe der a2n. Es geht um das miteinander, nicht um das gegeneinander.

Wie wollt ihr diese Aufgabe lösen?

Wir versuchen dem Künstler klarzumachen, welche Expertise die Branche hat und hoffen, dass darüber neue Beziehungen entstehen. In unseren Workshops geht es deshalb auch dieses Jahr wieder darum, das Gespräch zum Künstler zu suchen, um ihm klarzumachen, dass professionelle Hilfe sich auszahlen kann. Auf der anderen Seite wollen wir die Expertise von Labels erweitern, damit diese für den Künstler ein guter Partner sein können.

Die Branche kann bei euch also auch etwas lernen. Für wen ist die a2n noch interessant?

Unsere Workshops richten sich an alle, die mit Musik und Künstlern zu tun haben. Je mehr sie verstehen, wie die Prozesse gelenkt werden, desto besser können sie ihre Zusammenarbeit mit Musikern verbessern. Bei uns bekommen sie einen anderen Zugang. Wir wollen aber auch den User erreichen, schließlich ist es heute sehr schwer geworden, zwischen Produzent und Konsument unterscheiden zu können. Jeder Mensch gestaltet in irgendeiner Form Musik, zum Beispiel, wenn er Playlisten erstellt.

Du würdest dir also wünschen, dass die User auch mitreden?

Wie gesagt: Es ist wichtig, dass wir alle zusammenarbeiten. Für die Branche ist es unabdingbar zu verstehen, was die Bedürfnisse des Users sind. Nimm zum Beispiel das Thema Filesharing: Alle dachten immer, dass es beim Filesharing nur darum ginge, kostenlos an Musik zu kommen. Dass dem nicht so ist, haben mehrere Studien gezeigt: Vielen ist Komfort viel wichtiger. Sie wollen die Sachen bekommen, die sie haben wollen und zwar auf die einfachste Art und Weise. Sie sind bereit dafür zu zahlen. Wenn man es also schafft, legale Angebote anzubieten, die es mit den illegalen Plattformen aufnehmen können, erledigt man das Problem nicht nur, sondern verdient damit auch Geld. Das ist eine Botschaft, die man dann am besten versteht, wenn der User mit am Tisch sitzt.

Gibt es etwas, was bei der diesjährigen a2n anders gemacht wird?

Wir wollen mit den Künstlern bei dieser Ausgabe der a2n noch mehr ins Detail gehen. Das bietet sich schon wegen der Location an: In der noisy Musicworld befinden wir uns im Proberaum, was uns die Möglichkeit gibt, an vielen Punkten noch tiefer einzutauchen.

Was bietet die diesjährige a2n?

Ein Highlight in diesem Jahr wird sicher wieder das PUBLIC COACHING, bei dem Vertreter aus dem Musikgeschäft Bands professionelles Feedback zu ihren Songs geben. Darüber hinaus gibt es Workshops zu den Themen Songwriting und Crowdfunding.

Es lohnt sich also vorbeizukommen?

Richtig. Eins muss allerdings klar sein: Die a2n ist keine Veranstaltung, bei der man erzählt bekommt, wie der Hase läuft. Dafür sind die Umbrüche einfach zu komplex. Wir laden aber jeden herzlich dazu ein, die Workshops zu besuchen und sich mit anderen auszutauschen und seine eigenen Erfahrungen abzugleichen.