Das Ziel der dritten all2gethernow Werkstatt war klar definiert: MusikerInnen und Leute, die mit ihnen zusammenarbeiten, sollten an zwei Tagen zu einem Austausch über das Musikmachen selbst, als auch zu allen möglichen Überlebensstrategien drum herum, zusammengebracht werden. Konkret sah das so aus, dass MusikerInnen am 6. und 7. September in der noisy Musicworld in Friedrichshain die Chance hatten, ihr Wissen in verschiedenen Bereichen des Musikmachens vom Songwriting über die Produktion bis hin zur Distribution und Finanzierung zu vertiefen. Diesem Ziel entgegen kam der Ort, an dem die Konferenz in diesem Jahr stattfand. Das Musikhaus noisy Musicworld bot mit seinen Probe- und Übungsräumen, seinen Freiflächen und der noisy Stage die räumlichen Vorraussetzungen für einen fruchtbaren Austausch zwischen Musikbranche und MusikerInnen. Insgesamt 500 BesucherInnen nahmen an den vielfältigen Workshops teil. Sie stellten den Profis fragen, diskutierten mit oder spielten selbst Musik. Die OrganisatorInnen sind mit ihrer zweitätigen Konferenz zufrieden. “Die Workshops waren alle von hoher Qualität. Wir freuen uns, dass so viele mitgemacht haben”, sagt MELISSA PERALES, eine der Kuratorinnen der der #a2n_werkstatt 2012.

Schon von vornherein war klar, dass die all2gethernow Werkstatt 2012 besonders werden würde. Dafür sprach nicht zuletzt die Location. Das Musikhaus noisy Musicworld in Berlin Friedrichshain ist seit seiner Eröffnung 2001 zu einer wichtigen Institution in Berlin für MusikerInnen aus der ganzen Welt avanciert. Hier finden KünstlerInnen alles, was sie brauchen, von Proberäumen über Equipment bis hin zu Ausbildung und Kontakten. Entsprechend profitierten auch die ReferentInnen und TeilnehmerInnen der #a2n_werkstatt 2012 von den Räumlichkeiten, die neben dem nötigen Platz auch die richtige Ausstattung für einen produktiven Austausch und Kollaborationen verschiedener Art boten. Die Beschaffenheit der noisy Musicworld war aber nicht der einzige Grund für die Entscheidung, mit dem Musikhaus zusammen zu arbeiten. Was all2gethernow und noisy verbindet, das ist konzeptionelle Ausrichtung: Beiden Institutionen geht es in erster Linie um den Künstler. “Wir sind an den Start gegangen, weil wir Musikern Starthilfe für ihre Karriere geben wollten”, sagt ROBERT WITOSCHEK, Projektleiter der noisy Musicworld. Einen besseren Projektpartner hätte man sich für die all2gethernow Werkstatt 2012 nicht wünschen können.

FRAGEN STELLEN, DISKUTIEREN, MUSIK MACHEN

Im Rahmen der all2gethernow Werkstatt 2012 wurden verschiedene Aspekte des Musikmachens ausgiebig durchleuchtet. Während sich junge Bands beim Public Coaching Tipps von Profis aus der Branche für ihren weiteren Werdegang abholen konnten, widmeten sich die all2gethernow-Workshops und Remix Labs den praktischen Fragen der Musikwirtschaft und des Musikmachens. Bei den IN-SYNCH-Workshops, die in Kooperation mit dem RED BULL MEDIA HOUSE und der Lizenzierungs-Plattform TRACKS AND FIELDS durchgeführt wurden, ging es um den Einsatz von Musik in Film, Fernsehen und Werbung, beim Crowdfunding-Zirkeltraining um alternative Finanzierungsmodelle für Musik. Die Do-it-together-Workshops des Musikerkollektivs A HEADFUL OF BEES hingegen boten MusikerInnen die Möglichkeit, ihre Songwriting- und Aufnahme-Fähigkeiten zu verfeinern und zeigten Perspektiven zum Musikmachen abseits der Majorindustrie auf.

Zu den Highlights der diesjährigen Werkstatt zählte das Public Coaching, das vom Radiosender FRITZ mitpräsentiert wurde. Insgesamt vier Sessions gab es, die sich jedem für sich einem unterschiedlichen Genre widmeten: Rock/Pop, Alternative, Electronic und Urban/Hiphop. Bands hatten im Vorfeld der all2gethernow die Chance, sich für das Public Coaching zu bewerben, insgesamt 16 Musikprojekte wurden ausgewählt, die die Coaches mit ihren Fragen löchern konnten und sich Feedback zu ihrer Musik abholen konnten. Unter ihnen war die Berliner Pop-Hoffnung NADINE & THE PRUSSIANS, die Electropopper von PLATEAU REPAS und die Punk-Kids von MINCER RAY. Ihnen gegenüber saßen VertreterInnen aus verschiedenen Branchen, mit dabei der Musikjournalist STEPHAN SZILLUS, Booker BEN RODENBERG, Plattenchef TIM RENNER und Radio-Moderatorin NADINE KREUZAHLER. Fritz-Moderator CHRISTOPH SCHRAG führte wie immer gut gelaunt durch die einzelnen Sessions. In der noisy Stage herrschte von Beginn an eine konzentrierte Stimmung, die Coaches hörten sich dei Fragen der Bands an und gaben ihnen Tipps, wie sie ihre Karriere voranbringen konnten, das klappte mal mehr, mal weniger gut. Insgesamt dürften aber alle TeilnehmerInnen etwas gelernt haben. Zu einer kleinen Sensation kam es im in der Hiphop-Session: MC CheeK und sein DJ Kurt beeindruckten die Coaches und schafften es ins Editorial des Hiphop-Magazin JUICE. Dabei sind die beiden Musiker aus Berlin gerade mal 16 und 17 Jahre alt. STEPHAN SZILLUS prophezeit der Band in der JUICE: “In zwei bis drei Jahren rasiert ihr den Markt”.

Bei den Workshops der #a2n_werkstatt fanden die unterschiedlichsten Themen ihr interessiertes Publikum. Gut besucht war der Workshop des Bookers SEBASTIAN HOFFMANN, der den BesucherInnen erklärte, welche Kniffe es beim Booken der eigenen Tour gibt. Das Publikum schrieb eifrig mit. HOFFMANN zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz: “Neben der entspannten Organisation und der schönen Location war ich überrascht von dem großen Publikum, das sich ebenso überraschenderweise aus vielen lokalen Künstler_innen zusammensetzte”, sagte der Berliner Konzertveranstalter. Mit großem Interesse verfolgt wurde ebenfalls Workshop des Berliner Musikers NORMAN PALM. PALM, der sich gut mit digitalen Medien auskennt, zeigte den TeilnehmerInnen, welche Kanäle MusikerInnen bereitstehen, um mit ihren Fans zu kommunizieren. Produzent MOSES SCHNEIDER, der unter anderem schon für TOCOTRONIC hinter den Reglern saß, schaffte es hingegen, die hohe Kunst des Musikaufnehmens so zu veranschaulichen, dass selbst Laien problemlos folgen konnten. SCHNEIDER flitzte zwischen Verstärkern und Schlagzeug hin und her, zeichnete Linien auf den Boden und erklärte, welche Mikrofone sich für welchen Sound eignen.

Um technische Raffinessen ging es auch in den Remix Labs, die wir zusammen mitder noisy Musicworld organisiert haben. MusikerInnen kamen hier voll und ganz auf ihre Kosten: JESSE ABAYOMI erklärte die Basics für die Musiksoftware ABLETON LIVE, SEBASTIAN ARNOLD zeigte, wie Clubmusik mit richtigen Instrumenten gespielt werden kann, die Berliner Newcomer-Band KOOL THING hingegen zerlegte in ihrem Workshop einen ihrer Songs, um den BesucherInnen verschiedene Songwriting-Kniffe nahe zu bringen. Ein weiterer Höhepunkt war das Remix Lab von DJ-Legende BOB HUMID und der VJ CLAIRE LAMPION, in dem die TeilnehmerInnen selbst auf Ton- und Video-Knöpfe drücken konnten. Wie so oft auf der all2gethernow Werkstatt 2012 lautete also auch hier das Motto: “Learning by Doing”. ROBERT WITOSCHEK, der sich um die Organisation der Remix Labs kümmerte, zeigt sich mit dem Verlauf der Workshops zufrieden: “Ich war sehr angetan vom Verlauf der zwei Tage – ein sehr bunt gemischtes Publikum (sehr international), sehr viele ganz tolle und interessante Workshops und Vorträge”, sagt WITOSCHEK.

Die all2gethernow Werkstatt 2012 hatte zwei Schwerpunkt-Themen: Synch und Crowdfunding. “Das Thema Synch hat über die letzten Jahre massiv an Bedeutung gewonnen. Der enorme Output der Bild-Medien verlangt nach immer mehr Musik, täglich werden weltweit neue Töne gebraucht“, begründet MARTIN BREM, Head of Audio Portfolio von RED BULL MEDIA HOUSE und Organisator des #a2n-SYNCH-Workshop-Programms “IN SYNCH – LIFE’S A PITCH“, die Wichtigkeit des Themas. Auf der #a2n_werkstatt erklärten Profis aus dem Gebiet einen Tag lang verschiedene Aspekte, die mit der Verknüpfung von Bild und Ton zusammenhängen. Eingeladen war auch JONAS BRANDER von der Lizenzierungs-Plattform rightclearing.com, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Synch-Markt zu vereinfachen. BRANDER stellte in seinem Workshop seine Plattform vor, die Werkstatt hat ihm gefallen: “Alle Teilnehmer – Publikum, Professionelle und Organisatoren – der all2gethernow Werkstatt denken sehr fortschrittlich, wodurch ein spannender Austausch entstand und gute Kontakte geknüpft werden konnten”, sagt BRANDER. MILENA FESSMANN, die einen Vortrag zum Thema Musik im Film gab, lobte hingegen das Publikum: “Ich habe mich über das große Interesse sehr gefreut und hoffe ich konnte ein paar gute Tipps und Infos geben”, sagt FESSMANN. In der Tat war der Raum, in dem Workshops stattfand, von zehn Uhr in der Frühe bis auf den letzten Platz gefüllt. Teil von IN SYNCH war ein Wettbewerb, bei dem MusikerInnen die Chance hatten, die Musik für einen REDBULL-Werbespot zu komponieren. Die 2000 Euro Siegerprämie erhielt die Gruppe EDDY COUPÉ für ihren Song “Wake Up”. KomponistInnen aus ganz Deutschland bewarben sich mit einem Song.

Auf großes Interesse stieß ebenfalls das Crowdfunding-Zirkeltraining, bei dem bei dem verschiedene Aspekte rund um das Thema Crowdfunding erörtert wurden. Entsprechend positiv fällt das Fazit von KARIN BLENKSENS aus, die Gründerin des Socialmedia-Unternehmens IKOSOM ist und das Zirkeltraining mit den dazugehörigen Workshops organisierte. Wie alle anderen Speaker auch, findet BLENSKENS vor allem lobende Worte für die TeilnehmerInnen des Parcours, die sie als “sehr interessiert” beschreibt. An den einzelnen Stationen seien sehr gute Gespräche entstanden, bei denen alle TeilnehmerInnen etwas gelernt hätten. “Meine Erwartungen wurden voll und ganz erfüllt”, sagt BLENSKENS. Wie beim Public Coaching und IN SYNCH bestand auch beim Crowdfunding-Zirkeltraining die Möglichkeit für KünstlerInnen, sich mit einem Song zu bewerben. Als Belohnung winkte eine Crowdfunding-Kampagne, die während der Werkstatt gemeinsam mit den Profis in die Tat umgesetzt wurde. Wie BLENSKENS sagt, sei Crowdfunding eine attraktive alternative für Indie-Bands zu Majorlabels: “Mit Crowdfunding können Bands gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Finanzierung, PR und Promotion, Aufbau einer Fanbase und auch so eine Art Marktforschung darüber, ob ihre Musik bei den Fans überhaupt ankommt”, sagt die Expertin.

Alternative Wege beim Musikmachen wurden ebenfalls während der Do-it-together-Workshops des Musikkollektivs A HEADFUL OF BEES augelotet. Entsprechend visionär lautete der Titel des Workshops “Build your own music industry”, bei dem es darum ging KünstlerInnen zu erklären, wie sie sich um Aufnahmen, Produktion und Vertrieb selbst kümmern können. Wie in allen DIT-Workshops ging es darum, bei den KünstlerInnen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass es einfacher ist, mit anderen Menschen zusammen zu arbeiten, anstatt sich allein durchzuschlagen. Das Thema scheint viele Berliner MusikerInnen zu beschäftigen, anders lässt sich die große TeilnehmerInnen-Zahl nicht erklären. Doch ging es längst nicht nur um Theorie. Auch wurde begeistert zusammen Musik gemacht. Während des Songwriting-Workshops hatten alle TeilnehmerInnen ein Instrument in der Hand oder nutzten ihren Körper, um Geräusche zu erzeugen. Den Song, den sie gemeinsam schrieben, nahmen sie wenig anschließend in einem zweiten Workshop auf. Organisator ERIC ECKHART ist mehr als zufrieden mit dem Ablauf der Workshops: “My personal highlight was seeing the enthusiasm on the faces of the people in the songwriting session as the song started taking shape and becoming something real”, sagt der Musiker.

FAZIT

Insgesamt sind wir vom all2gethernow Team mit dem Ablauf der all2gethernow Werkstatt 2012  zufrieden. Das Event verlief reibungslos, was neben den tollen ReferentInnen auch den vielen HelferInnen zu verdanken ist. Schon zwei Tage vor der eigentlichen Konferenz schleppten sie Stühle und Tische, machten aus zugemüllten Freiflächen Konferenzräume und halfen bei der Dekoration und der Verkabelung der Technik. Während der #a2n_werkstatt dann kümmerten sie sich darum, dass TeilnehmerInnen und ReferentInnen ungestört die einzelnen Workshops genießen konnten. Großen Dank natürlich auch an die noisy Musicworld, die ReferentInnen und die BesucherInnen für ihre Unterstützung und ihren Input. Am Ende hat die all2gethernow Werkstatt wieder einmal Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen zusammengebracht, Diskussionen ermöglicht und so einen Wissenstransfer gefördert. “Auf allen Etagen waren Leute miteinander ins Gespräch vertieft – sowohl MusikerInnen untereinander, als auch Business Leute mit MusikerInnen.  Wir hoffen, dass daraus etwas entsteht! Uns hat die Veranstaltung sehr viel Spaß gemacht. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten – ihr ward großartig!”, sagt ANDREA GOETZKE, all2gethernow Vorstand und Organisatorin der #a2n_werkstatt.

 

(Fotos: DIETER H. ENGLER)

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