Kann ein Urheberrecht, das vor 100 Jahren festgeschrieben wurde den aktuellen Entwicklungen der Digitailsierung gerecht werden? Ist die  Neukonzeptionierung des Urheberrechts der beste Weg?
Während die Verbandssprecherin unabhängiger Musikunternehmen (VUT) Eva Kiltz beim a2n_salon no. 3 im Juli diesen Jahres den Schutz der Urheber wegen der grundlegenden Vergütungsproblematik in den Fokus rückt, sieht der Wissenschaftler und Rechtsexperte Till Kreutzer (i.e. – Büro für informationsrechtliche Expertise) dringenden Handlungsbedarf, was die Schutzwürdigkeit kreativer Prozesse im digitalen Raum anbelangt. Remixkultur und Mashup-Kunst seien gegenüber der Originalvorlage als gleichwertig anzuerkennen. Denn was ist schon original – kein Werk entstünde im geistigen Vakuum.
Und dennoch: Eva Kiltz sieht gerade aus der Vermarktungsperspektive ihre Verbandsmitglieder im Recht, eine stärkere Verfolgung und Kontrolle von Urheberrechtsverletzungen im Musikbereich zu fordern. Ruhm und Ehre? Genialer Bastardpop, der Nena und Eminem veredelt? Der Urheber als Schöpfer einer ersten Idee bzw. Melodie zähle und den gelte es als solchen zu respektieren und letztlich zu entlohnen. Weil im  Sommer nicht abschließend zu klären war: ist der Ge-Remixte nun der Dumme oder der Geehrte? Und Eva Kiltz ganz pragmatisch versprach: „Ich fragt Nena“, sind wir bei der Wiederaufnahme der Diskussion auf dem #a2n_camp gespannt auf die Antwort!

Unter der Leitung von Marel Weiß (neumusik.com) soll der konstruktive Austausch darüber, welche Richtungen ein zeitgemäßer Urheberrechtsdiskurs künftig einschlagen müsste,  fortgeführt werden. Im Fokus stehen das Problem der Datenerhebung zur Entrichtung einer Gebühr an die Urheber und die Frage nach dem geeigneten neue Lizenzierungsmodell. Nicht zuletzt  soll der Frage nachgegangen werden: Wie kann der Übergang für eine sich selbst organisierende Organisation wie die GEMA geschaffen werden?

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20:00 - 21:00
Zur Reform des deutschen Urheberrechts und
der damit verbundenen Prozesse
 //Talk: Fortsetzung #a2n_salon no. 3 (Juli 2011)//

Moderation:
Marcel Weiß | neunetz.com | neumusik.com 
**Dr. Till Kreutzer | Büro für informationsrechtliche Expertise
**Eva Kiltz | VUT - Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V.
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Marcel Weiß ist Diplom-Kaufmann, lebt in Berlin und beschäftigt sichseit mehreren Jahren intensiv mit der Internetwirtschaft. Er arbeitetals Blogger und Berater.Marcel Weiß schreibt auf neumusik.com über das digitale Musikbusinessund schreibt regelmäßig unter anderem für das Magazin “Musikmarkt”.
Er schreibt außerdem auf neunetz.com über die Internetwirtschaft und ist Autor auf dem führenden E-Commerce-Blog Exciting Commerce.

 

Eva Kiltz – Nach ihrer Ausbildung zur Saxophonistin an der Universität Mainz zog die gebürtige Mainzerin zum Studium des Kulturmanagements nach Berlin. Im Anschluss arbeitete sie gemeinsam mit Frank Klaffs für Piranha Musik und verschiedene andere Label, sowie für die Weltmusikmesse WOMEX in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Nach Gründung der Label-Commission Berlin Ende 2002 baute sie gemeinsam mit Frank Klaffs die Geschäftsstelle der Label-Commission Berlin als erste Regionalgruppe des VUT auf. Seit dem Umzug des VUT nach Berlin im April 2004 leitet sie die Geschäftsstelle des VUT e.V. – Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten e.V..

 

Dr. iur Till Kreutzer (geb. 1971) ist Rechtsanwalt und Partner von i.e., dem Büro für informationsrechtliche Expertise in Hamburg und Berlin (www.ie-online.de). Als Rechtsanwalt berät er unter anderem Medienunternehmen aller Art und zudem schwerpunktmäßig öffentliche Institutionen (Hochschulen, Archive,Forschungsgesellschaften, Bibliotheken, etc.) in urheber-, persönlichkeits- und datenschutzrechtlichen sowie ITRechtsfragen, erstellt Expertisen, Gutachten und „Transfer- und Schulungsmaterial“ (Leitfäden,Schulungsunterlagen, Broschüren oder ähnliches). Er wurde 2010 zum „ad personam“ Mitglied der DeutschenUNESCO-Kommission gewählt. Er ist der inhaltliche Leiter der Dritten Initiative des Think Tanks „Collaboratory –Internet and Society“ in dem neue Ansätze für ein Urheberrecht in der digitalen Welt entwickelt wurden (hostet byGoogle). Er ist zudem assoziiertes Mitglied des Forschungsbereichs Medien- und Telekommunikationsrecht am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg und Mitglied des “Instituts fürRechtsfragen der Freien und Open Source Software“ (ifrOSS). Till Kreutzer ist zudem Gründungsmitglied und Redakteur (Leiter Ressort Recht) von iRights.info, dem mehrfach prämierten (u. a. Grimme-Online-Award 2006) Internetportal für Verbraucher und Kreative zum Urheberrecht in der digitalen Welt. Till Kreutzer lehrt an verschiedenen Institutionen Urheber-, Marken-, Datenschutz- und Persönlichkeitsrecht (u. a.an der Akademie für Publizistik, der FU Berlin, der Humboldt Universität Berlin und der Evangelischen Journalistenschule). Im Rahmen der Reform des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft („Erster und Zweiter sowie Dritter Korb“) wurde er von Bundesregierung und Gesetzgeber verschiedentlich als Sachverständiger in Anhörungen und Arbeitsgruppen angehört. Till Kreutzer ist zudem Dozent für E-Learning undEntwickler verschiedener E-Learning-Module und anderer Lern- und Informationsmaterialien zum Thema ELearningund Recht, unter anderem dem für den „European eLearning Award eureleA 2008“ ausgezeichneten Leitfaden „Rechtsfragen bei E-Learning“. Im Übrigen ist er Publizist und Autor einer Vielzahl verschiedener Veröffentlichungen zu informationsrechtlichen Themen in Fach- und Publikumsmedien (z.B. GRUR, CR, MMR,ZUM, brand eins, Telepolis, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, EPD Medien, Stern). Seine Dissertation „Das Modell des deutschen Urheberrechts und Regelungsalternativen“, die er bei Prof. Dr. Hoffmann-Riem geschrieben hat, ist Ende 2008 im Nomos Verlag erschienen.
[Foto by Jana Pofalla]